Hebel 07 · Publizität
Publizität — das Video, das sonst gar nicht entstand.
Ein gefördertes Vorhaben muss die Förderung sichtbar machen; das verlangt schon das EU-Recht. Ein Video vom fertigen Dorfgemeinschaftshaus ist dafür das stärkste Mittel — und das aufwendigste. Bisher hieß das: ein Schnittprogramm oder einen Online-Dienst suchen, sich hineindenken, schneiden, ausgeben, ansehen, noch einmal. Drei bis vier Tage je Video. Und am Ende fehlten trotzdem Untertitel, Titeltafeln und der Förderhinweis — genau die Teile, auf die es förderrechtlich und für die Barrierefreiheit ankommt.
„Ich habe die Aufnahmen. Was mir fehlt, ist eine Woche, um mich in ein Schnittprogramm einzuarbeiten, das ich danach ein Jahr nicht anfasse."
Beim letzten Mal hat Anna sich durch einen Online-Dienst gearbeitet. Er konnte alles, aber sie brauchte einen halben Tag, um zu verstehen, wie man eine Sequenz kürzt. Titeltafeln hat sie weggelassen, weil sie nicht wusste, wie. Untertitel hätte sie tippen müssen, Zeile für Zeile mit Zeitmarken — dafür war keine Zeit. Den Förderhinweis wollte sie ans Ende setzen und hat es vergessen. Das Video ist ordentlich geworden. Es erfüllt nur die Publizitätspflicht nicht, und Menschen mit Hörbehinderung können ihm nicht folgen.
Im Baukasten wählt sie das Material aus dem Vorrat, zieht die Reihenfolge zurecht, kürzt mit einer Bildvorschau und wählt die Gestaltung. Der Abspann mit dem Förderhinweis kommt aus der Vorlage ihrer LAG und ist voreingestellt an — sie müsste ihn aktiv abschalten. Die Untertitel entstehen aus der Spracherkennung; sie liest sie gegen, korrigiert zwei Ortsnamen und entscheidet, ob sie als Datei mitgehen oder fest ins Bild gerechnet werden. Dann lässt sie rechnen und macht etwas anderes. Was Tage gekostet hat, ist eine Sache von Minuten Arbeit — und diesmal ist alles drin, was drin sein muss.